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Erkennen von Mastitiden

Zellzahl

Eutergesunde Kühe scheiden über die Milch einen geringen Anteil an körpereigenen Zellen aus. Die Aufgabe dieser überwiegend aus dem Blut stammenden Zellen besteht in einer Beteiligung an der Infektionsabwehr des Euters. Als Zellzahl wird die Gesamtheit der Blut- und Gewebszellen pro ml Milch bezeichnet.

Bei einem Infektionsgeschehen – sei es klinisch oder subklinisch – kommt es im Zuge der aktivierten Immunabwehr zu einem Anstieg des Zellgehaltes in der Milch, er lässt also Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand der Milchdrüse zu. Eine Mastitis kann zum Ausschwemmen mehrere Millionen Zellen pro Mililiter Milch führen. Der Anteil der weißen Blutkörperchen (Leukozyten) an der Gesamtzahl steigt dabei auf über 90 %. Mehr als 100.000 Zellen/ml im Einzelgemelk deuten auf eine mögliche Erkrankung des Euters hin (Schröder, 2003).

Um eine mastitisorientierte Aussage der Zellzahl zu ermöglichen, sind Viertelgemelksproben erforderlich. Im Milcherzeugerbetrieb stellt der Schalmtest (Schalm 1960), auch California Mastitis Test genannt das Mittel der Wahl bei der Kontrolle des Milchzellgehalts dar (siehe Abb. 1). Einzelgemelkszellzahlen, die im Rahmen der Milchleistungsprüfung ermittelt werden, können zur ungefähren Beurteilung der Eutergesundheitssituation einer Herde genutzt werden. Die Zellgehalte der Herdensammelmilch sind zur Einschätzung der Eutergesundheit einer Milchviehherde in der Regel nicht ausreichend.

Abb. 1: Schalmtest (Foto: V. Krömker)

Abb. 1: Schalmtest (Foto: V. Krömker)


Tab. 1: Beurteilung des Schalmests (siehe auch Abb. 1)

Einstufung Reaktionsgrad Beschreibung Zellzahl/ml
- negativ Das Gemisch aus Milch und Testlösung bleibt gleichmäßig flüssig und folgt den Milchbewegungen ungehemmt < 100.000
+ schwach positiv Es bilden sich Schlieren, die nur während der Mischbewegungen sichtbar sind. Das Gemisch folgt den Bewegungen ungehemmt ca. 400.000
++ mittel positiv Während der Vermischung bildet sich deutlicher Schleim. Das Gemisch folgt den Bewegungen leicht gehemmt und zeigt eine unregelmäßige Oberfläche. Portionsweises Abgießen ist noch möglich. ca. 800.000
+++ stark positiv Mittig am Schalenboden sammelt sich eine Gallerte, die den Mischbewegungen nur stark gehemmt folgt. Der Gallerteklumpen zerfließt auch in Ruhe nicht mehr. Beim Abgießen fließt zäher Schleim ab, portionsweises Abgießen ist nicht mehr möglich. > 1.000.000

 

 

 


Mastitiserreger

Grundlage einer Mastitisbehandlung ist die exakte Feststellung des verursachenden Erregers. Der Nachwies der krankmachenden Keime ermöglicht zum einen die Abschätzung des zu erwartenden Heilungserfolges und erlaubt über die Erstellung eines Antibiogramms die Auswahl des anzuwendenden Antibiotikums. Zum anderen geben diese Befunde auch einen ersten Aufschluss über die Keimverteilung im Betrieb und damit Anstöße zur Optimierung des Managements. Neben der Untersuchung im klinischen Krankheitsfall ist die Stichprobenuntersuchung in regelmäßigen Abständen sinnvoll und aufschlussreich. Um diejenigen Erreger zu identifizieren, die für eine Mastitis verantwortlich sind, muss eine Viertelgemelksprobe – keine Einzelgemelksprobe – ohne Kontamination durch Umgebungskeime, also möglichst steril, gewonnen werden. Ein großer Teil der in Mastitislaboren eingehenden Proben ist mit Schmutzkeimen verunreinigt, so dass eine exakte Feststellung des die Mastitis auslösenden Erregers nur schwer möglich ist.

Abb. 2: Bakterienanzucht auf Blutagarplatte

Abb. 2: Bakterienanzucht auf Blutagarplatte


Viertelgemelksproben

Die Entnahme von Viertelgemelksproben zur bakteriologischen Untersuchung bei klinischen Mastitisfällen oder zum Trockenstellen gehört in vielen Betrieben längst zum Standard. Die Ergebnisse dienen bislang vor allem zur Auswahl von Therapeutika oder zur Bestätigung einer Merzungsentscheidung. Auch wenn dieses Vorgehen als richtig zu bewerten ist, werden die aus bakteriologischen Untersuchungen abzuleitenden Erkenntnisse dadurch nicht ausgeschöpft. Jeder aus infizierten Drüsenvierteln isolierte Mastitiserreger weist auf Keimverstecke und Infektionswege im Betrieb hin und gibt damit Aufschluss über hygienische Probleme und Managementschwachstellen. Somit geben auch Herdenuntersuchungen oder die Stichprobenuntersuchung in regelmäßigen Abständen hilfreichen Aufschluss (z.B. 1 x jährlich 10 % der Tiere einer Herde).

Eine langfristig erfolgreiche Mastitisbekämpfung ist nicht allein durch sachgerechte Therapie zu erreichen, sondern nur durch Maßnahmen, die die Neuansteckungsrate im Betrieb senken. Solche Maßnahmen können durch Kenntnis der Hauptmastitiserreger eines Betriebes eingeleitet werden. Da sie vor allem auf die Neuansteckungsrate im Betrieb wirken, kann ihr Erfolg nicht kurzfristig an der Anzahl klinischer Mastitisfälle oder der Zellzahl der Herdensammelmilch abgeschätzt werden. Ihre disziplinierte Umsetzung wirkt sich langfristig aber umso erfolgreicher aus.

Weitere Details zu Mastitiserregern finden Sie unter der Rubrik RF Mastitiserreger.

Abb. 3: Milchprobenentnahme auf Euterviertelebene (Foto: V. Krömker)

Abb. 3: Milchprobenentnahme auf Euterviertelebene (Foto: V. Krömker)


Anleitung zur sachgerechten Milchprobenentnahme

Geräte
Durchführung
  • Haushaltspapiertücher (Einweg) für Vor- und Zitzenkuppenreinigung

  • Neben dem Melkpersonal eine zusätzliche Person zur Probennahme
  • Brennspirituslösung (70 %) zur Desinfektion

  • Vormelken der ersten Milchstrahlen in ein Vormelkgefäß

  • Einweghandschuhe

  • Trockene Reinigung der Zitze/des Euters mit Einwegpapier

  • Sterilisierte und beschriftete Reagenzgläser mit Stopfen

  • Desinfektion der Zitzenspitze und der Zitzenkanalöffnung mit brennspiritusgetränktem Einmal-Haushaltspapier (zuerst die grubenfernen Viertel, dann grubennah)
  • Probennahme (Röhrchen schräg, keine Berührung mit Zitze oder Tier, erst grubennahe Viertel, dann grubenferne, Röhrchen sofort verschließen)

  • Proben schnellstmöglich in ein Labor zur bakteriologischen Untersuchung bringen, bis dahin kühl lagern

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