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Färsenmastitiden als Bestandsproblem

Die Häufigkeit von Euterentzündungen bei Färsen oder erstlaktierenden Kühen in den ersten Wochen der Laktation nimmt zu.

In einer Vielzahl von Betrieben erkrankt jede zweite bis dritte Färse/Erstlaktierende an einer klinischen Euterentzündung. Ein großer Teil dieser Infektionen wird erst zu Beginn der Laktation (erste 14 Laktationstage) als klinische Erkrankung (Flocken in der Milch) bemerkt, obwohl die Entzündung schon deutlich länger andauert.

Für die Entstehung von Färsenmastitiden ist zumeist der vorzeitige Verlust des Keratinpfropfens verantwortlich. Der Keratinpfropfen verschließt den Strichkanal, wirkt als mechanische Barriere gegen aufsteigende Keime und hat eine zusätzliche antimikrobielle Wirkung. Daher gilt es, insbesondere in den letzten Wochen vor der Abkalbung für besonders saubere Umgebungsbedingungen der Tiere zu sorgen. Färsen sind das genetische Potential einer Herde. Bei diesen Tieren sind Euterentzündungen aufgrund der mit ihnen einhergehenden langfristigen Verschlechterung der Leistungsfähigkeit der Tiere besonders teuer – vor allem wenn sie zur Merzung des Tieres in der ersten Laktation führen. Die Verluste belaufen sich auf 100 bis 750 € pro Erkrankungsfall.

Während der durch eine Mastitis entstehende Milchmengenverlust bei älteren Tieren durch die verstärkte Leistung der benachbarten Viertel zu einem großen Teil ausgeglichen werden kann, gelingt das bei erstlaktierenden Tieren zumeist nicht. Untersuchungen haben gezeigt, dass Milchkühe, die noch im Wachstum sind, nicht in der Lage sind, zerstörtes Milchdrüsengewebe einzelner Viertel durch Mehrproduktion anderer Viertel auszugleichen.

Gesunde Erstkalbinnen weisen Zellgehalte im Einzelgemelk von 20.000 bis 50.000 Zellen/ml auf. Spätestens ab Zellgehalten von mehr als 100.000 Zellen/ml auf Viertel-/Einzelgemelksniveau wird deutlich, dass eine Euterentzündung vorliegt. Klinische Anzeichen (Flocken in der Milch) können, müssen aber nicht auftreten. Auch wenn ein Teil dieser Infektionen im Laufe der ersten Laktation ausheilt, treten die oben beschriebenen Verluste auf.

Weidegang der Färsen wirkt gesunheitsfördernd

Weidegang der Färsen wirkt gesunheitsfördernd


Ursachen und Risikofaktoren

Die Infektion der Viertel mit krankmachenden Bakterien findet meist bereits schon vor dem Abkalben statt.

Die häufigsten Infektionswege sind:

  • Infektionen nach dem Ansaugen einzelner Viertel (v.a. Streptococcus agalactiae (S. agalactiae), Staphylococcus aureus (S. aureus))

  • Übertragung von S. aureus von erkrankten Kühen des Bestandes über Insekten (insbesonder Fliegen)

  • Spontane Infektionen durch Zitzenhautbewohner (Koagulase-negative Staphylokokken) und Umweltkeime (Umweltstreptokokken, coliforme Keime)

 

Die spontane Infektion durch Zitzenhautbewohner scheint dabei am verbreitesten zu sein. Diese Keime gehören zur üblichen Keimflora, die die Zitzen- und Euterhaut besiedelt. Sie sind somit allgegenwärtig. Die Entstehung von Infektionen durch diese Keime wird nicht durch ihre besonders krankmachenden Eigenschaften bestimmt, sondern vielmehr durch die Empfänglichkeit des Tieres. Im Abkalbezeitraum ist das Immunsystem durch die besonderen Belastungen geschwächt. Neben der eintretenden hormonellen Umstellung wirkt eine Vielzahl von Stressoren (Umstallung der Tiere, Eingliederung in die Herde, Futterumstellung u.v.m.) auf die Tiere ein.

Dazu kommen besondere tierindividuelle, krankheitsfördernde Faktoren, wie z.B. ein ungenügender Schluss der Zitzenspitzenmuskulatur oder ein sehr weiter oder sehr kurzer Zitzenkanal. Die vorzeitige Öffnung des Zitzenkanals erhöht die Gefahr einer bakteriellen Besiedlung deutlich. Diese – letztlich nur züchterisch zu beeinflussenden – Merkmale können einen vorzeitigen Verlust des schützenden Keratins im Zitzenkanal bei steigendem Euterinnendruck im Abkalbezeitraum bedingen und damit die Entstehung von Infektionen fördern.

Auch die im Geburtszeitraum entstehenden Ödeme im Euterbereich fördern dieses Risiko weiter, da die Wassereinlagerung im Euter- und Zitzenbereich den Zitzenkanal weiter aufdehnen kann. Sehr ausgeprägte Ödeme beruhen häufig auf einer nicht optimal zusammengestellten Futterration bzw. auf einer zu späten Umstellung auf das Futter der laktierenden Tiere.

Neben den am häufigsten auftretenden Infektionen mit Zitzenhautbewohnern, treten auch Infektionen mit anderen Umwelterregern (Umweltstreptokokken, coliforme Keime) auf. In Betrieben mit S. aureus-infizierten Tieren sind auch durch diese Keime verursachte Färsenmastitiden zu finden. Auch Stallfliegen können Überträger von S. aureus sein, so dass ein entsprechendes Fliegenbekämpfungsprogramm Erfolg versprechend ist.

 

Um die Abkalbung herum ist das Immunsystem geschwächt

Um die Abkalbung herum ist das Immunsystem geschwächt


Prophylaktische Maßnahmen

Gehen die im Betrieb auftretenden Färsenmastitiden auf das Ansaugen durch andere Tiere zurück, muss natürlich vor allem das schuldige Tier ermittelt und aus der Färsengruppe entfernt werden.

Ist die Eutergesundheit der gesamten Herde nicht zufriedenstellend und liegen viele Infektionen mit S. aureus oder S. agalactiae zugrunde, gehört zur Bekämpfung der Färsenmastitiden auch die entsprechende Sanierung der restlichen Herde.

Ein möglichst hygienisches Haltungsumfeld senkt den Keimdruck im Umfeld der Tiere und verringert damit die Erkrankungswahrscheinlichkeit:

  • Gute gepflegte, mit frischer Einstreu versehene Liegeflächen

  • Saubere Laufflächen

  • Ausreichende Wasser- und Futterversorgung

  • Gute Fütterungshygiene

  • Weidegang der Färsen wird als gesundheitsfödernd angesehen

 

Positive Effekte werden auch von der Anwendung externer und interner Zitzenversiegler berichtet. Tiere, die die Milch vor der Geburt bereits laufen lassen, sollten angemolken werden, auch wenn dabei auf die Gewinnung des Kolostrums verzichtet werden muss. Die Michdrüsen der Färsen müssen beobachtet und regelmäßig überprüft werden. Unterschiedlich große Euterviertel sollten immer durch die sorgsame Sekretüberprüfung nach Vordesinfektion der Hände (Handschuhe tragen!) und der Zitzen – insbesondere der Zitzenöffnung – kontrolliert werden.

Eine bedarfsgerechte Fütterung ist die Basis für eine gute Eutergesundheit

Eine bedarfsgerechte Fütterung ist die Basis für eine gute Eutergesundheit


Therapeutische Maßnahmen

Da das Infektionsrisiko am Abkalbetag besonders hoch ist und bereits infizierte Viertel noch vor Ende der Kolostralphase kostengünstig geheilt werden können (kaum Hemmstoffmilch), ist eine antibiotische Therapie zu diesem Zeitpunkt sinnvoll. Voraussetzung ist die Kenntnis der verursachenden Erreger und ihrer Resistenzlage (zu ermitteln durch ein Antibiogramm aus der Viertelgemelksprobe). Aus ökonomischer Sicht sind Maßnahmen auf Betriebsebene erforderlich, wenn > 5 % Färsen zum Abkalbetermin eine klinische Euterentzündung aufweisen oder/und wenn > 50 % aller erstlaktierenden Tiere in der ersten MLP Zellgehalte über 100.000 Zellen/ml im Einzelgemelk aufweisen. Betriebsspezifische Maßnahmen sollten hierbei gemeinsam mit dem betreuenden Tierarzt ermittelt und durchgeführt werden.

 

Die Kenntnis der Resistenzlage des Erregers ist die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie

Die Kenntnis der Resistenzlage des Erregers ist die Grundlage für eine erfolgreiche Therapie


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