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Mastitisbekämpfung

Die Sanierung erkrankter Tiere kann nur durch Selbstheilung, erfolgreiche Therapie oder Merzung gelingen. Vor jeder Therapie gilt es zu überlegen, ob diese Maßnahme sinnvoll ist.

Wichtige Kriterien zur Entscheidungsfindung sind:

  • bakteriologischer Befund der betroffenen Euterviertel

  • Zellniveau der Kuh

  • klinischer Befund des Einzeltiers

  • Krankheitsgeschichte des Tieres

  • betriebliche Rahmenbedingungen

 

Infektionen mit Mikroorganismen, bei denen geringe Heilungsaussichten bestehen, eine Zellzahl pro ml Einzelgemelk, die bereits mehrere Monate über 700.000 Million Zellen/ml liegt, grobknotige Veränderungen des Drüsengewebes, mehr als zwei bislang durchgeführte und misslungene Behandlungen und eine mäßige hygienische Gesamtsituation des Betriebes sprechen für die Merzung des Tieres.

Entnahme von Viertelgemelksproben

Entnahme von Viertelgemelksproben


Therapeutische Maßnahmen

Mastitisbehandlungen gehören zu den häufigsten Anwendungen antibiotischer Mittel im Nutztierbereich. Der Anwender sieht als Ziel der antibiotischen Behandlung die Heilung mastitiskranker Viertel, die Reduktion der Anzahl klinisch kranker Tiere und die Senkung der Zellzahl der Herdensammelmilch. Nicht immer werden diese Erwartungen erfüllt. Das Wiederauftreten klinischer Symptome (Flocken) wenige Tage nach Beendigung der Therapie oder nach Ablauf der Wartezeit weist auf eine missglückte Therapie oder auf eine Neuinfektion hin (Erskine et al., 2003).

Zumeist ist die alleinige Therapie erkrankter Viertel bzw. Einzeltiere nicht geeignet, das Mastitisproblem eines Betriebes zu lösen. Auch wenn die antibiotische Behandlung zur Heilung eines Tieres führt, müssen zur Lösung eines Mastitisproblems in einem Milcherzeugerbetrieb die Maßnahmen zur Senkung der Neuinfektionsrate im Vordergrund stehen. Hier sind zumeist hygienische Maßnahmen, die die Entwicklung der wichtigsten Mastitiserreger begrenzen sowie Maßnahmen, die die Abwehrkraft der Tiere gegenüber Keimen erhöhen, erforderlich.

Der Erfolg einer therapeutischen Maßnahme muss kontrolliert werden. Insbesondere bei kuhassoziierten Mastitiserregern hängt von den Ergebnissen der Kontrolluntersuchungen die Abschätzung des Risikos ab, das das erkrankte Tier für die Herde darstellt. Sie entscheiden auch über den weiteren Verbleib des Tieres. Nachkontrolluntersuchungen sollten nicht vor zwei Wochen nach Beendigung einer Therapie durchgeführt werden. Unter Umständen bedarf es mehrerer Kontrollen. Eine größtmögliche Sicherheit ist erst nach drei Untersuchungen im Abstand von jeweils einer Woche gewährleistet.


Anwendung der Therapeutika

Die antibiotische Therapie euterkranker Milchdrüsenviertel muss stets als Hilfe zur Selbsthilfe des Tieres verstanden werden. Nur Tiere mit einer guten körpereigenen Abwehr in stressarmen Umfeld zeigen nach Anwendung einer antibiotischen Behandlung optimale Heilungsraten. Die antibiotische Therapie darf nie kompensatorisch zum Ausgleich von Managementmängeln herangezogen werden. Vor einer Therapie sollten möglichst alle Managementfehler minimiert oder bestenfalls abgestellt werden.

Für eine erfolgreiche Therapie ist bei Anwendung der Präparate größtmögliche Hygiene erforderlich! Zumindest der für eine Milchprobenentnahme notwendige Reinigungs- und Desinfektionsaufwand ist auch für die Applikation von Mastitispräparaten notwendig. Die Anwendung in einem schmutzigen Stallabteil, die Applikation des Medikaments in sichtbar schmutzige Zitzen, das tiefe Hineinschieben eines Injektors in die Zitze, die Verwendung alter Spritzen oder gar alter Aufsteckkanülen, die Lagerung von Medikamenten im Melkbereich und auch die wiederholte Entnahme über längere Zeit aus angebrochenen Antibiotikaflaschen verringern die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreiche Behandlung. Darüber hinaus bergen sie das Risiko von Neuinfektionen mit umweltassoziierten Keimen oder Hefen.

Des Weiteren sollte eine genaue Dokumentation der Erkrankungsfälle und ihrer Behandlungen erfolgen. Nur so ist die Beurteilung der betriebsspezifischen Verhältnisse (Anzahl klinischer Fälle pro Jahr, Anzahl von Erkrankungen und Behandlungen einzelner Tiere, Wirksamkeiten verschiedener Behandlungskonzepte etc.) möglich. Die Analyse dieser Daten ist wichtig, um Betriebsblindheit zu verhindern und die objektive Beurteilung von Maßnahmen zu ermöglichen. Diese Strategie wird ergänzt durch eine systematische Festlegung der Therapiewürdigkeit der Tiere, des Therapiezeitpunktes und der Auswahl des Therapeutikums mit der größten Heilungswahrscheinlichkeit.

 

Sachgerechte Anwendung von Therapeutika

  • Euter und Zitzen sorgfältig reinigen
  • Euter gut ausmelken
  • Zitze abtrocknen lassen
  • Einmalhandschuhe benutzen
  • Zitzenspitze sorgfältig mit Einwegpapier mit viel 70%igem Brennspiritus oder Alkoholtüchern desinfizieren; dabei zum Melker hinarbeiten
  • Die Zitzenkuppe muss vor der Anwendung trocken sein
  • Die Injektoren oder ihre Schutzkappen nicht in den Mund nehmen - auch nicht zum Abnehmen der Verschlusskappe
  • 1 Injektor pro Viertel langsam einbringen. Nicht massieren – vom Melker weg arbeiten
  • Zitzentauchen aller Zitzen (Tierarzneimittel)

Zum Trockenstellen zusätzlich

  • Kontrollieren, ob das Tier in den nächsten Tagen die Milch laufen lässt
  • Nachbehandeln, falls dies der Fall ist
  • Mastitiskontrolle in der ersten Trockenstehwoche

 


Therapie von Mastitiden in der Laktation

Die Erfolgsaussichten einer Therapie sind umso höher, je kürzer der Zeitabstand zwischen Erkrankungsbeginn und antibiotischer Behandlung ist. Dies gilt für klinische Euterentzündungen (Flocken, etc.), aber auch für subklinische Mastitiden (erhöhte Zellzahl). Bereits eine Verzögerung um eine Melkzeit kann die Heilungsraten deutlich verschlechtern. Aus diesem Grund ist die sofortige Therapie von klinischen Eutererkrankungen in der Laktation – trotz des Milchverlusts – auch unter ökonomischen Gesichtspunkten sinnvoll. Durch  die Entnahme einer Viertelanfangsgemelksprobe vor der antibiotischen Behandlung kann zumindest mit geringer zeitlicher Verzögerung die eingeleitete Therapie überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden. Da im klinischen Fall in der Regel mit dem Einleiten der Therapie nicht gewartet werden kann bis ein bakteriologischer Befund des erkrankten Drüsenviertels vorliegt, sollten in jedem Betrieb zytobakteriologische Ergebnisse und Antibiogramme zu den vorhandenen Mastitiserregern aus Stichprobenuntersuchungen vorliegen. Auf dieser Basis kann eine sinnvolle Auswahl des Therapeutikums erfolgen. Die richtige Präparatewahl hängt vom nachgewiesenen Erreger, seiner minimalen Hemmkonzentration (MHK-Wert) und den pharmakokinetischen Eigenschaften des verwendeten Präparates ab. Zur Verbesserung des therapeutischen Ergebnisses ist ein mehrfaches Ausmelken erforderlich. Zusätzliche Maßnahmen wie die Anwendung von geringen Oxytocin-Dosen zu den Melkzeiten, oder die Gabe von entzündungshemmenden Arzneimitteln können erforderlich sein.

Subklinische Mastitisfälle, die durch den Erreger des gelben Galtes (Sc. agalactiae) hervorgerufen werden, sollten ebenfalls bereits in der Laktation unmittelbar nach der Identifikation antibiotisch therapiert werden. Aufgrund der zu erwartenden hohen bakteriologischen Heilungsraten ist diese Therapie auch auf dem Laktationsgipfel sinnvoll.

DLQ-p

Mastitisbekämpfung in der Trockenperiode

Behandlung und Prophylaxe

Um den Übergang der Milchkuh aus der laktierenden Phase in die nicht laktierende Phase zu unterstützen und dabei die Gesundheit des Tieres – und insbesondere die Eutergesundheit – zu erhalten oder zu verbessern, müssen unterschiedliche Aspekte und Maßnahmen berücksichtigt werden. Es ist zunehmend festzustellen, dass mit der Zunahme von durch "Umwelterreger" ausgelösten Euterentzündungen die Trockenperiode als Neuinfektionsphase besonders wichtig wird. Fehler im Trockenstehermanagement, der Stallhygiene und in der Fütterung können – vor allem bei Tieren mit hoher Milchleistung und hohen Tagesgemelken zum Zeitpunkt des Trockenstellens (> 15 kg Tagesmilchleistung) – Neuinfektionen begünstigen. Bekannt ist, dass diese Infektionen nicht allein in der Trockenperiode,  sondern vor allem in der folgenden Frühlaktation zu klinischen Erkrankungen führen. Eigene Untersuchungen in niedersächsischen Hochleistungsbetrieben zeigten, dass unbehandelte Tiere in der Trockenperiode in ca. 20 % aller Fälle Neuinfektionen erlitten, wohingegen mit modernen Trockenstellpräparaten behandelte Tiere geringere Neuinfektionsraten von 12 % aufwiesen.

Mit der antibiotischen Behandlung zum Trockenstellen werden grundsätzlich zwei Ziele verfolgt. Neben der Reduzierung von bereits bestehenden Infektionen der Milchdrüse (Behandlung) soll auch die Neuinfektionsrate der Milchdrüse innerhalb der Trockenperiode verringert werden (Vorbeugung). Werden diese Ziele erreicht kann von einer verringerten Zahl klinischer Euterentzündungen in der Frühlaktation ausgegangen werden.

Die Anwendung von Trockenstellpräparaten sollte unter Beachtung einer extrem strengen Anwendungshygiene erfolgen, insbesondere um Neuinfektionen, die unmittelbar bei  Einbringen des Arzneimittels in das Euter entstehen können, zu verhindern. Idealerweise findet vor dem Trockenstellen eine zytobakteriologische Untersuchung statt. Erfolgt diese, kann aufgrund der Ergebnisse eine selektive Behandlung erfolgen. Haben alle Kühe der Herde Zellgehalte im Einzelgemelk von < 100.000 Zellen/ml, können über die Einzelvierteluntersuchungen erkrankte Viertel identifiziert werden. Mit Einzelgemelkszellzahlen > 100.000 Zellen/ml sollten alle Viertel aller Tiere therapiert werden. Trockengestellte Tiere müssen zwei Wochen lang täglich kontrolliert werden, um sicher zu stellen, dass sich die Milchdrüse entsprechend zurückbildet.

Bei hochleistenden Kühen empfiehlt es sich, die Kraftfuttergabe zwei Wochen vor dem geplanten Trockenstelltermin einzustellen. Insgesamt sollte schon in der Spätlaktation dafür gesorgt werden, dass die Tiere nicht übermäßig verfetten (Sollwert body condition score (BCS) 3,25 – 3,75). Eine ausgewogene Fütterung in der Trockenperiode, die weder Hungerketosen nach sich zieht, noch zur Verfettung des Tieres führt, kann die Abwehrkraft des Tieres maßgeblich beeinflussen und trägt damit wesentlich zur Infektionsprophylaxe bei.

 

Die wichtigsten Punkte beim Trockenstellen

  • Eine ausgewogene Fütterung und ein gutes Herdenmanagement sorgen für abwehrstarke Kühe in der Trockenperiode
  • Die Auswahl der richtigen Präparate muss anhand der Eutergesundheitssituation im Bestand vorgenommen werden
  • Idealerweise werden trockenzustellende Kühe zytobakteriologisch untersucht. Bei der Anwendung von Trockenstellpräparaten muss besonders Wert auf die Anwendungshygiene gelegt werden
  • Trockenstehende Kühe müssen unter besonders sauberen und trockenen Bedingungen gehalten werden, um Neuinfektionen zu verhindern
  • Trockenstehende Kühe müssen regelmäßig – insbesondere in den ersten zwei Wochen nach dem Trockenstellen und in den letzten zwei Wochen vor der Geburt – hinsichtlich möglicher Eutererkrankungen kontrolliert werden

 

Die Trockenstelltherapie stellt neben der Optimierung des Managements ökonomisch die wichtigste Einzelmaßnahme in der Mastitisbekämpfung dar.

Auf Der Weide


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