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Risikofaktor Mastitiserreger

Hauptkeime

Im Verlauf der letzten Jahre zeigt sich ein deutlicher Wandel hinsichtlich der am Mastitisgeschehen in Milchviehbetrieben beteiligten Keime. Waren in der Vergangenheit vor allem die sogenannten kuhassoziierten Mastitiserreger wie Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae und Streptococcus dysgalactiae für das Auftreten von Euterentzündungen verantwortlich, treten heute Infektionen des Euters mit so genannten umweltassoziierten Keimen und  Zitzenhautbesiedlern in den Vordergrund. Diese Verschiebung des Mastitiserregerspektrums ist zum einen durch die inzwischen weit verbreitete Anwendung von Vorbeugemaßnahmen (Zitzendesinfektion nach dem Melken, Trockenstellen unter antibiotischem Schutz, Optimierung der Melkmaschinenfunktion) und zum anderen durch geänderte Haltungsbedingungen (Zunahme von Laufställen) zu erklären (DVG, 2012). Die Entwicklung hat dazu geführt, dass Euterinfektionen in der Regel kürzer andauern und die Bedutung der Therapie sinkt, während die Bedeutung der Verhinderung von Neuinfektionen steigt.

Bakterienanzucht auf Blutagar

Bakterienanzucht auf Blutagar

Kuhassoziierte Mastitiserreger

Unter kuhassoziierten Erregern versteht man solche, die aus euterkranken Milchdrüsenvierteln stammen und vor allem während des Melkens über Melkerhände, Zitzengummis und Milch von Kuh zu Kuh verbreitet werden. Zu den klassischen kuhassoziierten Mastitiskeimen zählt Staphylococcus aureus. Dieser Erreger besiedelt vor allem Läsionen der Zitzenhaut und den Zitzenkanal und wird beim Melken von Tier zu Tier übertragen. Beim Eindringen des Keimes in die Milchdrüse wird das Drüsengewebe geschädigt. S. aureus bildet tiefe Infektionsherde in den Milchkanälen, die mit Abkapselung der Keime und Abszessbildung einhergehen. Durch das Abkapseln entzieht sich der Keim regelrecht der Angreifbarkeit durch Antibiotika. S. aureus-Infektionen können zu einer herabgesetzten Milchleistung von bis zu 45 % pro Viertel und 15 % pro Kuh führen. Während die Tiere durch eine konstant hohe Zellzahl auffallen, sind klinische Mastitiden selten. Wird die Infektion frühzeitig erkannt, kann eine gezielte Therapie die Rückbildung der Gewebeschäden bewirken; chronische Infektionen führen hingegen zur irreversiblen Zerstörung des Milchdrüsengewebes.

Um ein Ausbreiten des Keimes zu verhindern, ist ein striktes Hygieneprogramm einzuhalten. Dazu zählt eine gute Euterhygiene (Melkhandschuhe, regelmäßiger Wechsel der Gummiteile, Melkanlage überprüfen, Dippen nach dem Melken mit einem zugelassenen Dippmittel), aber auch das Verhindern von Zitzen- und euternahen Verletzungen und die Fliegenbekämpfung. Die infizierten Tiere sind von der gesunden Herde abzutrennen und sollten zuletzt gemolken werden, therapieunwürdige, chronisch infizierte Tiere mit deutlichen Veränderungen des Eutergewebes müssen separiert und mittelfristig gemerzt werden!

Ebenfalls den kuhassoziierten Keimen werden Streptococcus agalactiae (Gelber Galt) und Streptococcus dysgalactia zugeordnet. Sie werden – wie S. aureus beim Melken von Tier zu Tier übertragen. Die Maßnahmen zur Bekämpfung entsprechen im Wesentlichen denen von S. aureus. Sc. agalactiae und Sc. dysgalactiae reagieren sensibel gegenüber Penicillin-Präparaten. Ihre Verbreitungsintensität im Betrieb ist, vor allem bei Sc. agalactiae, sehr hoch – sofortiges Handeln ist geboten!

Gute Euterhygiene verhindert die Ausbreitung von Keimen

Gute Euterhygiene verhindert die Ausbreitung von Keimen


Umweltassoziierte Mastitiserreger

Umweltassoziierte Erreger stammen aus dem Umfeld der Tiere (Boxeneinstreu, Laufflächen etc.). Ihre Übertragung findet vor allem im Stallbereich statt. Die Verbreitung von Umwelterregern ist von hygienischen Faktoren abhängig (hoher Keimdruck, Hogan & Smith, 2012). Einen ebenso essentiellen Anteil an der Entstehung der so genannten Umweltmastitiden haben die Abwehrsituation der lokalen Keimeintrittspforte – der Zitze – und die Gesamtabwehrsituation des Tieres/der Herde. Umweltkeime sind hauptsächlich bei abwehrschwachen Tieren in der Lage, Euterentzündungen hervorzurufen. Aus diesem Grund treten Neuinfektionen mit umweltassoziierten Erregern gehäuft zu Beginn und zum Ende der Trockenphase auf. Besonders infektionsbegünstigend wirken Stoffwechselstörungen und die ihnen vorausgehenden Fütterungs- und Haltungsprobleme. Bei Bestandsproblemen, die durch umweltassoziierte Keime ausgelöst werden, muss also die kritische Betrachtung und Optimierung des Managements im Vordergrund stehen, die alleinige Therapie erkrankter Euterviertel ist nicht geeignet um das Mastitisproblem zu lösen.

Zu den Umwelterregern gehören einige Streptococcen-Stämme wie Sc. uberis und Enterokokken sowie coliforme Keime wie z.B. E. coli, Klebsiella spp. und Enterobacter spp. Während Sc. uberis häufig in nass gewordenem, verpilztem Stroh zu finden ist, stellt Rinderkot ein wichtiges Enterokokkenreservoir dar. Auch die coliformen Keime sind regelmäßig im Kot zu finden. Ein geringer Anteil aller Infektionen mit coliformen Keimen verläuft als extrem schwere sogenannte Colimastitis mit deutlicher Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens des Tieres (Fieber, Sepsis), die sofortiger Behandlung bedarf. Gerade bei der Entstehung der Colimastitis spielt die Immunsituation der Tiere, beeinflusst durch Haltung, Fütterung, Konstitution und Klima, eine entscheidende Rolle. Klebsiellen treten gehäuft in Sägespänen oder Torfeinstreu auf, wenn die Einstreu keine gute Qualität aufweist (hohe Restfeuchte, feuchte und warme Lagerung). Auch hier besteht während abwehrschwächenden Situationen eine besonders hohe Empfänglichkeit. So sind die wichtigsten Infektionszeitpunkte das Trockenstellen, die Kalbung und die Frühlaktation. Es treten sowohl klinisch als auch subklinisch verlaufende Fälle auf, wobei die klinischen Symptome auch lange nach der Infektion auftreten können. Bis zu 50 % der Erkrankungen heilen spontan ohne Behandlung.

Die beste Chance für eine erfolgreiche Vorbeugung ist ein optimales Herdenmanagement. Hierzu gehören geringe Schwankungen in der bedarfsgerechten Versorgung der Tiere während Laktation und Trockenperiode und eine gleichmäßig gute Hygiene im Stall sowie bei der Reinigung vor dem Melken. Eigene Untersuchungen zeigen, dass das Risiko für die Entstehung von Umweltmastitiden durch Managementmaßnahmen, die die Hygiene und Pflege der Boxen bzw. der Einstreu verbessern, stark reduziert werden kann.

 

Im Rahmen der Vorbeuge vor Mastitiden durch Umwelterreger im Bereich der Liegeboxen und Stallhygiene sind folgende Schritte anzuraten, die hier in absteigender Bedeutung aufgeführt sind:

  1. Optimierung der Hygiene im Abkalbestall (Misten, Reinigen und Neueinstreu nach jeder Abkalbung)
  2. Sorgfältige Boxen- und Laufflächenreinigung (Kühe im Melkstand sind sauber)
  3. Kurzes Nachstreuintervall (max. 2 Tage)
  4. Einstreustroh bester Qualität und Lagerung

 

Folgende Anforderungen sind an ein optimales Einstreumaterial aus hygienischer Sicht zu stellen:

  1. Anorganisch besser als organisch
  2. Alkalisch besser als neutral
  3. Grob besser als fein
  4. Saugend, nicht staubend, nicht reizend, schwer

Koagulase-negative Staphylokokken

Eine dritte Gruppe stellen die Koagulase-negativen Staphylokokken dar (KNS, in den Berichten der Labore manchmal nur als Staphylokokken ausgewiesen). Bei diesen Bakterien handelt es sich um Bewohner der Zitzenhaut der Tiere. Das krankmachende Potential der zu dieser Gruppe gehörenden Bakterien ist sehr unterschiedlich. Sie treten gehäuft bei Störungen der Zitzenkondition und bei erstlaktierenden Tieren als Mastitiserreger auf. Bei klinischen Entzündungen sollte eine antibiotische Behandlung erfolgen. In der Regel verlaufen KNS-Infektionen jedoch subklinisch, die Zellzahl des erkrankten Viertels ist gegenüber der gesunder Viertel um das 2- bis 3fache erhöht.

Gute Stallhygiene und Haltungsbedingungen beugen Mastitiden vor (Foto: Wilson Agriculture)

Gute Stallhygiene und Haltungsbedingungen beugen Mastitiden vor (Foto: Wilson Agriculture)


Seltene Mastitiserreger

Mycoplasmen

Sie verursachen hochansteckende klinische Mastitiden mit akutem bis chronischem Verlauf. Ein gehäuftes Auftreten klinischer Fälle innerhalb einer Herde bis hin zu einem seuchenartigen Auftreten ist möglich. Dabei kommt es häufig zur Erkrankung des gesamten Euters mit hochgradigem Leistungsabfall und irreversiblen Schäden im Eutergewebe. Der Verlauf ist therapeutisch nur wenig zu beeinflussen. Die Diagnose wird dadurch erschwert, dass sich die Mykoplasmen mit den üblichen bakteriologischen Methoden nicht nachweisen lassen. Hierfür sind spezielle Kulturverfahren oder eine Mastitis-Erreger-DNS-Identifikation notwendig. In einem betroffenen Betrieb müssen von allen Tieren Viertelgemelksproben entnommen werden. Infizierte Tier sollten am besten sofort verwertet werden (de Kruif et al., 2007).

Hefen

Hefemastitiden entstehen insbesondere bei dem unsachgemäßen und unhygienischen Einbringen von Medikamenten in das Euter. Ein Therapeutikum steht derzeit nicht zur Verfügung. In erster Line sollte eine Ausmelktherapie mit der Unterstützung von Oxytocin erfolgen um die Selbstheilungskräfte zu unterstützen..

Prototheken

Es handelt sich um Algen, die Mastitiden hervorrufen können. Besonders gefährdet sind stark vorgeschädigte Euter.


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